Kinder als Gastronomiekunde

Wie gestalte ich ein kinderfreundliches Restaurant?

Die Erkenntnis ist nicht neu: Kinder beeinflussen in vielen Fällen das Kaufverhalten ihrer Eltern. Dies führt so weit, dass auch bei der Wahl des Restaurants, auf die Meinung der Sprösslinge zurückgegriffen wird.  Aber wie oft addressieren wir eigentlich Kinder in der Gastronomie und nehmen diese als vollwertigen Kunden wahr? Wir zeigen auf, an welchen Stellen Du im Restaurant oder am Foodtruck auf die Bedürfnisse der Kleinen eingehen und somit die gesamte Familie zufrieden stellen kannst.

Die indirekte Kaufkraft – wie das Konsumverhalten der ganz Kleinen die Kaufentscheidung beeinflusst

Auch wenn Kinder selbst keine nennenswerte Kaufkraft besitzen haben sie oft eine eigene Meinung, inwiefern das Essensbudget ausgegeben werden soll. Ganze 62 % der Kinder zwischen 6 und 13 Jahren entscheiden mit, wenn es um das Thema Lebensmittel geht – bei Vorschulkindern liegt der Wert bei 45 %. Bei der Restaurantwahl stehen die Chancen also gut, dass die Eltern sich nach den Wünschen der Kinder richten. 

Kleine Extras, die ein Alleinstellungsmerkmal bilden und die Kids bei Laune halten, stehen hoch im Kurs und bleiben Kindern sowie Eltern positiv im Gedächtnis. Für eine familienfreundliche Umgebung müssen nur wenige extra Ressourcen geschaffen werden. Mit kleinen, einfachen Investitionen kannst Du bereits viel erreicht.

Mutter und Kind im Restaurant
Nicht jedes Restaurant ist auf Kinder ausgerichtet
Malendes Kind
Malen gegen Langeweile
Holzklötze
Spielecke mit nachhaltigen Bauklötzen

„Mama mir ist langweilig“ – mit Service und Beschäftigung punkten

Du musst kein Elternteil sein, um zu wissen, wie ungeduldig Kinder sein können – besonders wenn sie hungrig sind! Dass es jedoch nicht zwangsläufig die Plastikfigur im Kindermenü sein muss, um Deine kleinen Gäste zu bespaßen, zeigen folgende nachhaltigen Beispiele:

  • Biete Aktivitäten an, um Kids während der Mahlzeiten zu beschäftigen, wie Tischunterlagen (optimal aus Recyclingpapier) oder Pappbecher  die mit Wachsmalstiften bemalt werden können. Auch an Foodtrucks mit Bierzeltgarnitur kann eine bemalbare Tischunterlage verwendet werden – ein Klassiker, der jedoch immer funktioniert.
  • Auch lufttrocknende Knete ist ideal, um Kinder ruhig und sauber am Tisch zu beschäftigen. Das Beste: sie können ihr modelliertes Kunstwerk mit nach Hause nehmen!
  • Für etwas ältere Kinder bieten sich Rätsel mit Lerninhalten an. Wem Corporate Identity wichtig ist, kann ein eigens gestaltetes Rätsel Sheet erstellen lassen. Ansonsten gefällt aber auch der Rätselblock aus dem Buchhandel.
  • Richte eine Spielecke in Deinem Lokal ein. Wichtig sind hygienische und abwaschbare Spielzeuge, die für Kinder aller Altersklassen interessant sind. Holzspielzeug ist z.B. nicht nur nachhaltig, sondern auch robust und langlebig (Aber Achtung: Nutze keine verschluckbaren Kleinteile).
  • Die Fotobox ist ein Highlight jeder Hochzeit oder Szenebar. Aber warum nur den Erwachsenen den Spaß überlassen, wenn Familien gemeinsam ein Foto schießen können? Benötigt wird nur eine kleine Ecke in der eine selbstauslösende Kamera aufgestellt wird (heutzutage bereits erschwinglich). Mit einem Hintergrund samt Firmenlogo, wird sich jeder an den schönen Besuch in Deinem Lokal erinnern.
  • Manchmal geht’s beim Essen nicht nur um die Speise an sich, sondern um einen gelungenen Abend mit der Familie. Möglicherweise ist eine Quiznacht für Deine Kunden genau das Richtige. Familien können gegeneinander antreten und als Team dichter zusammenwachsen. Wie wäre es also, ein solches Event einmal im Monat bei Dir anzubieten?

„Papa ich mag das nicht“ – welche Küche ist beliebt beim Nachwuchs?

Nicht alle Geschmäcker sind gleich. Besonders die kleinen Gäste können eine Herausforderung darstellen. Hier einige Tipps, um den Kindern ihr Menü noch schmackhafter zu machen:

  • Wenn Du lange auf dein Essen warten müsstest, würde dir auch der Hunger vergehen oder? Biete Deinen jungen Gästen doch eine kleine Probierportion an, sodass nicht nur die Eltern in Ruhe ihre Vorspeise genießen können, sondern die Kinder auch beschäftigt sind. Bestenfalls können sie so auch neue Lebensmittel probieren, die sie sonst zu Hause nicht essen würden. Auch an Foodtrucks lässt sich dies gut umsetzen. Die Eltern wird es freuen!
  • Der klassische Kinderteller mit einprägsamen Namen und extra Deko- Elementen ist zwar nicht neu, hinkt jedoch mit der Benennung oft hinterher. Wo den Eltern ein Pumuckelteller noch ein Begriff wäre, schauen die Kinder irritiert auf die Abbildung. Bleib am Ball und nutze Figuren aus aktuellen Kinderserien. Du kannst auch mit neutralen Begriffen wie Prinzessinnen-Menü oder Piraten-Teller punkten.
  • Nicht nur der Name ist relevant, das Auge isst auch mit. Erstelle ein ansprechendes Menü, dass die Fantasie der Kinder anregt. Die Fischstäbchen des Piratentellers können z. B. ganz stilgerecht im Holzschiffchen serviert werden.
  • Orangensaft ist bäh? Mit einem bunten Papier-Trinkhalm schmeckt der Saft sicher total klasse!
  • Nicht nur Kinder sind wählerisch, auch Eltern wollen nur das Beste. Achte auf eine gesunde Mischung in Deinen Kinderangeboten, in der auch frisches Obst und Gemüse enthalten ist. Zudem kannst Du Dein Menü online zur Verfügung stellen, sodass Eltern die Zutaten vorab ggf. auch auf Allergene überprüfen können.
  • Auch die Form des Geschirrs kann kinderfreundlich sein. Mit süßen Formen, wie einem Bärchenteller, bereitet Aufessen tatsächlich Freude.
  • Der Nachtisch dürfte das Highlight Deiner jungen Gäste darstellen und wird umso spannender, je mehr selbst kreiert und gewerkelt werden kann. Wie wäre es mit verschiedenen Toppings für das Eis (Build your own Ice) oder einem Mini-Schoko- Fondue für die ganze Familie?
Maus Motiv Pfannkuchen
Pfannkuchen im bekannten Maus Design – schmeckt den Kleinen sicherlich noch besser
Lächelndes Toastbrot mit Früchten
Obst und Gemüse kommen auch bei den Eltern gut an
Kind im Hochstuhl
Ein Hochstuhl hilft den Kindern eigenständig zu sein und entlastet die Erwachsenen am Tisch

„Oma ich komm nicht an“ – kleine Helfer mit großer Wirkung

Nicht nur die Kinder sollen sich wohl und glücklich fühlen. Auch Eltern wollen Einrichtungen zur Verfügung gestellt bekommen, die Ihnen das Leben erleichtern. Hier einige Punkte, auf die Du als Gastronom achten kannst:

  • Stelle bequeme und saubere Hochstühle für Kleinkinder bereit
  • Frage die Eltern, ob sie spezielle Wünsche haben, z.B. einen größeren Tisch. Je mehr Platz der Gast hat, umso mehr Freiraum gibt es Eltern und Kind.  
  • Wickeltisch für Kleinkinder im Bad (bei Männer und Frauen)
  • Platziere einen kleinen Hocker unter das Waschbecken, damit das Kind darauf stehen und sich leicht die Hände waschen kann
  • Einen extra Bonus gibt es für eine Windel, die Du im Notfall anbieten kannst
  • Schule Deine Mitarbeiter auch auf Kinder einzugehen. Servicekräfte, die Kinder komplett ignorieren, können schnell zu einer unangenehmen Atmosphäre beitragen.

„Schatz, das ist zu teuer“– clevere Aktionen für dich und deine Gäste

Kinder zu haben, ist nicht günstig. Essen gehen steht daher nicht immer ganz oben auf der Prioritätenliste. Wie wäre es jedoch, Deine wenig besuchten Geschäftszeiten mit besonderen Angeboten auszufüllen?

  • Organisiere vormittags Veranstaltungen, in denen speziell Eltern mit ihren Kindern willkommen sind. So haben nicht nur Mütter und Väter eine Anlaufstelle, sondern Du generierst regelmäßig mehr Umsatz. 
  • Catering für Kindergeburtstage kannst Du unter der Woche zu günstigeren Preisen anbieten
  • Biete eine „Happy Hour für Kids“ außerhalb der Stoßzeiten an, in denen Kinder vergünstigt essen können
  • Kreative Ideen sind z.B. den Preis für das Kindermenü auswürfeln zu lassen oder verkleidete Kinder an Fasching oder Halloween zum halben Preis essen zu lassen.
Verkleidete Kinder
Faschings Aktion im Lokal
Lächelndes Kind
Glückliche Kinder, glückliche Eltern

Fazit

Seien wir ehrlich: Nicht alle Restaurants, Festivals oder Cafés sind kinderfreundlich – und das ist in Ordnung! Wenn Du jedoch ein breites Spektrum an Gäste ansprechen möchtest, solltest Du auch möglichst viele Personengruppen mit Deinen Angeboten glücklich machen. 

Denk dran: Wenn die Kinder mit Deinem Lokal nicht happy sind, sind es auch ihre Eltern nicht. Der Schlüssel ist ein Gleichgewicht zu finden, um das Angebot für die erwachsenen und kleinen Gäste zu erfüllen.