Corona und die Gastronomie

Kreatives Krisenmanagement in Zeiten des Virus

Während Politik und medizinisches Personal ihr Bestes zur Eindämmung des Covid-19 geben, steht das Gastgewerbe vor leeren Locations. Veranstaltungen, Messen und Sportereignisse werden abgesagt, Restaurant- und Hotelreservierungen storniert. Was also tun, wenn die Gäste und Umsätze ausbleiben? Wir haben einige Tipps und kreative Lösungen für euch zusammengestellt. 

Den Betrieb am Laufen halten

Den Fixkosten ist es egal, ob und wie viele Gäste sich zu Corona Zeiten ins Lokal verirren. Miete, Strom, Wasser und Mitarbeiter wollen auch weiterhin bezahlt werden. Einige Gastronomieverbände haben bereits vorerst ihre Mitgliedsbeiträge aufgehoben oder ihre Zahlungsziele erweitert. Nichtsdestotrotz helfen diese Angebote nicht, die aktuelle Unternehmensliquidität aufrechtzuerhalten. Was also tun, um die eigene Existenz und den Lebensunterhalt der Mitarbeiter zu schützen?

1. Kurzarbeit anmelden
Diese Maßnahme mag vielleicht auf Deine Mitarbeiter radikal wirken, ist jedoch notwendig, um die von Dir geschaffenen Arbeitsplätze nachhaltig zu sichern. Auf Grund der Pandemie, darf ein Antrag auf Kurzarbeit rückwirkend zum 01.03.2020 bei der Bundesagentur für Arbeit beantragt und ausgezahlt werden.

2. Überbrückungskredit
Dieses Darlehen hilft Dir, kurzfristige finanzielle Engpässe zu finanzieren. Ob ein Überbrückungskredit gewährt wird, muss individuell mit der eigenen Hausbank besprochen werden.

3. Take-away anbieten
Du bietest noch keinen Außer-Haus-Verkauf an? Dann wird es höchste Zeit! Mit einem temporären Take-away-Service kannst du dich gut über Wasser halten. 

  • Transport: Solltest Du keinen Firmenwagen besitzen, heißt die umweltfreundliche und kostengünstige Variante: Leihrad. Bei Anbietern wie Swapfiets, können Fahrräder bereits für 19,50 € pro Monat ausgeliehen werden. Die Kündigungsfrist beträgt nur einen Monat, sodass Du nach der Krise die Räder direkt zurückgeben kannst.
  • Verpackung: Du bist nicht für to go ausgerüstet? Passende Verpackungen für jede Speise findest du in unserem greenbox Shop.
  • Abholen: Alternativ kannst Du Deine Kunden auch darum bitten, ihr Essen direkt am Restaurant abzuholen. Hierfür kannst Du eine kleine Übergabestation am Eingang einrichten. Halte einen Sicherheitsabstand von mindestens 1,5 bis 2 Metern ein und bitte um eine Kartenzahlung. So schützt Du Dich und Deine Kunden. 
Kurzarbeit und Überbrückungskredite können vorübergehend zur Liquidität verhelfen
Take-away mit Fastfood
Biologisch abbaubare Take-away Verpackungen
Take-away Menü
Erstelle Fertiggerichte für Deine Gäste

4. Angebot reduzieren
Je weniger Du einkaufst, desto weniger kann verderben – logisch. Statt also mehrere Gerichte zu listen, biete temporär nur ein Tagesgericht an. Wichtig: Salatbars und andere offene Selbstbedienungstheken müssen aus Hygienegründen geschlossen bleiben. Mehr zum Thema Food Waste Management erfährst Du in diesem Blogbeitrag.

5. Werde zum Supermarkt
Deine Kunden werden weniger und die Ware wird schlecht? Dann funktioniere Dein Restaurant in einen Mini-Supermarkt um. Von Dir vorgekochte Gerichte können eingefroren und als Fertiggericht verkauft werden. Du führst Spezialitäten wie italienische Cantuccini, spanische Oliven oder Chorizo-Wurst mit kurzem MHD? Aktiviere Deine Stammkunden und lasse Dir die Ware abkaufen.

6. Spezieller Tipp für Hotels
Unternehmen stehen vor der Herausforderung, ihre Mitarbeiter ins Homeoffice zu schicken. Nicht jedes Zuhause ist hierfür geeignet. Biete Unternehmen Deine Hotelzimmer zu einem fairen Preis an. So bekommst Du wieder Buchungen und Unternehmen erhalten isolierte Arbeitszimmer für ihre Mitarbeiter.

Wichtig ist, dass Du all diese Maßnahmen möglichst breit kommunizierst. Hierfür eignen sich Aushänge am Restaurantfenster und Social Media Posts. Regelmäßige Updates und Aktionen zur aktuellen Lage halten Deine Kunden informiert und stellen einen exzellenten Service dar. 

Temporärer Workaround

In Krisenzeiten ist liquide zu bleiben eine der größten Herausforderungen. Die folgenden Tipps verschieben die Zahlungseingänge zwar nur, können Dir jedoch kurzzeitig weiterhelfen. Hier die Liste der besten Plan B-Maßnahmen:

7. Gutscheine
Seit Tagen kursiert der Hashtag #supportyourlocal in den sozialen Netzwerken. Der Hashtag ruft zu Hilfe für Veranstalter und der Gastrobranche auf. Eines der beliebtesten Maßnahmen ist, das Stammlokal mit gekauften Gutscheinen zu unterstützen. Solltest Du noch keine Gutscheine anbieten, dann ist jetzt die Zeit das zu tun. Nur so können Dir Kunden in der aktuellen Lage helfen und Einnahmen bescheren. Wünschen Deine Kunden keinen Kontakt, kann eine Bezahlung per PayPal veranlasst und die eigens gestalteten Gutscheine per E-Mail verschickt werden.

8. Zahlungsziele verlängern
Der Begriff „Solidarität“ findet aktuell viel Verwendung. Wie stark der Zusammenhalt tatsächlich ist, kannst Du ganz einfach testen. Deine Lieferanten sind womöglich selbst von der Krise betroffen – der Vermieter ggf. nicht. Frage bei diesem an, ob die Miete ggf. ein oder zwei Monate später gezahlt werden darf. Eine Schließung des Lokals wäre sicherlich auch nicht in seinem Interesse.

9. Veranstaltungen planen
Natürlich kann keiner in die Glaskugel schauen. Nichtsdestotrotz kannst Du bereits versuchen, Veranstaltungen zu planen und Deine Kunden auf diese aufmerksam zu machen. Wie wäre es mit einem Sommerfest oder einer Halloweenparty? Möglich wäre auch, geschlossene Veranstaltungen im Voraus anzubieten. Kunden, die eine private Veranstaltung feiern möchten, könnten jetzt zu einem Sonderpreis Dein Lokal im Voraus buchen und eine Anzahlung leisten. Für was auch immer Du Dich entscheidest, lasse Deine Gäste wissen, dass es Dich noch gibt!

10. Online Bewertungen
Zugegeben – von Bewertungen können keine Rechnungen bezahlt werden. Trotzdem kann positives Kundenfeedback Dir in Zukunft mehr Gäste bescheren. Bitte Deine Kunden darum, bei Google Maps, auf Social Media, Lieferando oder auf Deiner Firmenwebsite, Bewertungen zu hinterlassen. Fallen diese positiv aus, können sich potenzielle Neukunden nach der Krise daran orientieren und finden womöglich eher ihren Weg in Dein Lokal. 

11. Quatsch muss sein
Auch wenn keinem wirklich zum Lachen zumute ist, hilft es dennoch Humor zu bewahren. Statt direkt nach Geld zu fragen, warten Vereine und Verbände nun mit kreativen Spendenformaten auf. Der Verein „Clubverstärker Bremen e.V.“ zum Beispiel, bittet Gäste an einem virtuellen Clubbesuch teilzunehmen. Bedeutet: Man zahlt für eine virtuelle (und somit nicht existierende) Dienstleistung zwischen 5 € und 250 €.
Für 5 € gibt es das Paket: „Warm hier! Erstmal Jacke anner Garderobe abgeben“ oder für 10 € das Paket „Willste auch ein Bier? Ich schmeiß ne Runde“. Die Spenden dieser witzigen Charmeoffensive werden auf alle teilnehmenden Clubs aufgeteilt und sollen ihnen hierdurch das Überleben sichern.

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Zeit für andere Dinge

Im Tagesgeschäft bleibt oftmals eine Menge an Nebensächlichkeiten liegen. Nutze die Zeit und widme Dich größeren Projekten, die im laufenden Betrieb so nicht möglich wären. Hier einige Inspirationen:

12. Poliere Deine Onlinepräsenz
Nun ist die Zeit, um online aufzumischen. Verleihe Deiner Website und Deinen Posts neuen Glanz mit frischen Bildern Deiner Gerichte und aktualisierten Unternehmensinformationen. Pflege weiterhin die Beziehung zu Deinen Kunden, indem Du Deinen Followern bei Facebook und Instagram antwortest und Dich für positive Bewertungen bedankst.

13. Renoviere die Location
Du wolltest schon lange Deinen Räumlichkeiten frischen Wind einhauchen? Jetzt ist der Zeitpunkt dafür. Eine charmante Dekoration, neu arrangierte Einrichtung oder ein frischer Anstrich können Deine Kunden nach der Corona Krise positiv überraschen. In einigen Bundesländern sind die Baumärkte noch geöffnet, also los geht’s.

14. Buchhaltung
Dein Steuerberater oder das Finanzamt verlangen Unterlagen? Kein Problem, jetzt hast Du genügend Ressourcen, um Dich dem lästigen Papierkram zu widmen. Alte Ordner können weg, neue Papiere können fachmännisch abgelegt werden.

Not macht erfinderisch

Wir hoffen, dass Dir der Blogbeitrag ein wenig helfen und Inspiration liefern konnte. Sollten die genannten Maßnahmen für Dich nur ein Tropfen auf dem heißen Stein gewesen sein, muss Dein Unternehmen dennoch nicht sofort schließen. Um vorzeitige Insolvenzen auf Grund der Pandemie vorzubeugen, soll die Insolvenzantragspflicht vorerst ausgesetzt werden. Das heißt, es bleibt Dir genügend Zeit staatliche Hilfsmaßnahmen zu beantragen und hierdurch wieder auf die Füße zu kommen.

Auch wenn 2020 für viele Gewerbetreibende ein einschneidendes Jahr darstellen wird, hilft es sich vor Augen zu halten: You are not alone! Wir stehen das gemeinsam durch und es wird eine Zeit nach der Krise geben.